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> > T e s t b e r i c h t  M o n t e r e y  7 / 1 9 9 9     << zurück

Abschied für den Klassenprimus

Das Vergnügen war ein kurzes. Im vergangenen Sommer erst präsentierte Opel den neuen Monterey, an dem insbesondere der vorzügliche Dieselmotor gefiel; und jetzt, kein Jahr danach, wird der Japaner aus dem Programm gekickt. Mit Ihm verläßt eines der interessantesten Zugfahrzeuge den Markt.
 

 


Ausgabe 7/1999

 

Schuld war nur der - nein, nicht der Bossa Nova, schuld war der Frontera, zumindest offizieller Aussage zufolge. Der verkauft sich so gut und liegt in den gern bestellten Top-Versionen auch im Preis nun so hoch, daß Opel auf den Vertrieb des aus Japan von der Schwesterfirma Isuzu importierten Monterey verzichten kann. Zudem lohnt sich der Vertrieb für Opel nicht so recht. Durch die komplizierten Verwaltungsstrukturen und das riesige Händlernetz erzeugt jedes im Programm geführte Opel-Modell hohe Kosten, und die werden auf die verkauften Autos umgelegt. Da sich der Monterey - nicht zuletzt aufgrund der schon vor Jahren eingestellten Werbung für dieses Modell - aber nur in relativ geringen Stückzahlen verkauft, kommt auf jedes verkaufte Exemplar ein so hoher Anteil, daß Opel, so gerechnet, bei jedem verkauften Monterey ein paar hundert Mark drauflegt - und deshalb künftig auf den Vertrieb des Verlustbringers gleich verzichten will.
Schade drum. Es gibt wenige Geländewagen, zumindest in der Mittelklasse, mit denen das Ziehen eines schweren Anhängers so angenehm vonstatten geht. Der große Dreiliter-Vierzylinder mit der eigenwilligen, vom US-Hersteller Caterpillar entwickelten Common-Rail-Direkteinspritzung zieht von Leerlaufdrehzahl weg kräftig an; so zerrt der Monterey auch große Hängergewichte flott von der Stelle. Die eigentlich kritikwürdige Tatsache, daß die Geländereduktion erstens nur in Verbindung mit starrem Durchtrieb zwischen Vorder- und Hinterachse nutzbar ist, was den Einsatz auf kurvigen und gleichzeitig griffigen Fahrbahnen problematisch macht, und daß sie zweitens - im Gegensatz zum Monterey der ersten Generation - nicht synchronisiert ist, so daß man sie nur bei stehenden Fahrzeug ohne Zähneknirschen zu- und wieder abschalten lann, verliert durch den kräftigen Motor an Bedeutung: Auch im Straßengang klappt selbst mit vollbeladenem Zugfahrzeug und maximal zulässiger Anhängelast das Anfahren auch an groben Steigungen noch ohne Probleme; und auch das zentimetergenaue Rangieren erledigt man mühelos und kupplungsschonend mit Leerlaufdrehzahl, ohne dabei auch nur das Gaspedal berühren zu müssen.
Dank des durchzugstarken Motors läßt es sich auch angenehm schaltfaul reisen. Die Devise: “morgens den fünften Gang einlegen und abends wieder herausnehmen” ist nicht arg übertrieben; übliche Autobahn-Anstiege erledigt der Monterey jedenfalls recht problemlos in der großen Fahrstufe; und auch auf Bergstraßen braucht man kaum jemals weiter als in den dritten Gang zurückzuschalten. Zugute kommt derlei drehzahlsparende Fahrweise natürlich dem Verbrauch: Sowohl mit dem als wirksame Windbremse agierenden Caravan als auch mit dem auf 3,2 Tonnen beladenen Lastanhänger kam der Monterey im Zugfahrzeug-Testzyklus mit weniger Kraftstoff aus als alle anderen bisher getesteten Zugfahrzeuge, obwohl diese meist bei weitem nicht so gute Fahrleistungen erzielen: Mit glatten 12 l/100 km bringt man den Caravan durchaus flott vom Fleck, beim Schleppen von windgünstig verstauten 3,2 Tonnen Anhängelast über den üblichen Test-Zyklus genügen sogar 10,9 Liter Dieselöl für 100 km.
Die Gespannfahrt im Monterey geht aber nicht nur zügig und kostengünstig vonstatten, sondern auch recht sicher. Dank stabiler Rahmenbauweise läßt sich der japanische Groß-Opel nicht leicht aus der Ruhe bringen.

 

Er fährt zwar nicht so unerschütterlich geradeaus wie einige Oberklasse-Allradler vom Schlage eines langen Mercedes G; und er erreicht auch nicht ganz die vorbildliche Fahrstabilität des Nissan Patrol; aber das Ausnützen der hier bis knapp 2,3 Tonnen Anhängergewicht möglichen 100-km/h-Regelung macht keinerlei Probleme.
Besitzer niedrig gebauter Anhänger, die diese oft mit unbeladenem Zugfahrzeug bewegen, werden die nicht übertrieben hoch montierte Kupplungskugel begrüßen; so schraddelt nicht auf jeder großen Bodenwelle das Händer-Heck am Boden. Mit der Stützlast sollte man es beim Monterey trotz des ausreichenden zulässigen Maximalwertes von 135 Kilo nicht übertreiben - erstens, weil dann das Heck einsinkt und die Bodenfreiheit unter dem Hänger-Stützrad knapp werden kann, zweitens, weil dies den Komfort schmälert: Stöße, die von einem hart gefederten Anhänger herrühren, übertragen sich umso deutlicher aufs Fahrzeug, je mehr Stützlast vorhanden ist. Das gilt gerade beim Monterey mit seinem nicht übertrieben kurzen Hecküberhang.
Und das ist schade, denn an sich ist der Monterey ein komfortables, gut gefedertes Auto. Obwohl zwecks Verbesserung der Fahrstabilität zur aktuellen Generation nicht nur die Spur verbreitert, sondern auch die Fahrwerksabstimmung in Richtung straff verändert wurde, filtern die vorderen Drehstab- und hinteren Schraubenfedern Bodenwellen aller Art wirksam ab. Dem angenehmen Reisen dienlich ist auch der sehr geräumige Innenraum. Die Ausstattung ist bei der getesteten Limited-Ausführung so komplett, wie man in dieser Preisklasse erwarten kann; was allerdings fehlt, ist ein wenig optischer Aufputz, wie Ihn die Konkurrenz bietet. Unterhaltsame Zusatzinstrumente oder Edelholz-Imitat als Schmuck für das triste graue Plastik-Armaturenbrett enthielt Opel den Europa-Modellen seit jeher vor; vielleicht fürchtete man, derlei von den Kunden gern genommener Zierat würde den ernsthaft-seriösen, relativ handfesten Charakter des Monterey verwässern. Auch sonst kann es der Monterey nicht ganz mit der Ausstattungsqualität des jahrelangen Hauptrivalen Mitsubishi Pajero GLS aufnehmen: Für den Zugfahrzeugeinsatz eher belanglos ist das Fehlen eines permanenten Allradantriebs, kinderreiche Familienväter werden allerdings schmerzlich zur Kenntnis nhemen, daß die dritte Sitzreihe saftig Aufpreis kostet. Hobby-Spediteure werden allerdings genau dies zu schätzen wissen; denn die Zusatz-Sitze kosten in seitlich hochgeklapptem Zustand einige Zentimeter nutzbare Breite des durch die zweigeteilte Hecktür ungewöhnlich gut zugänglichen Laderaums.

Fazit:

Wer einen besonders geräumigen Zugwagen für schwere Gewichte sucht und vor allem auf kräftigen Durchzug bei gleichzeitig geringem Verbrauch Wert legt, der ist mit dem langen Monterey genau richtig bedient. Er muß sich allerdings entweder ganz schnell entscheiden - oder aber noch reichlich Geduld haben. Denn bei den Opel-Händlern sind nur noch Restexemplare zu haben, und bis der neue Vertrieb - eventuell unter dem Original-Markennamen Isuzu - steht, wird noch einige Zeit ins Land gehen.